Olaf und Kevin R. aus Brand-Erbisdorf
Apr 29, 2025
Erfolgreiche Besteigung des 5671 m hohen Damavand im Iran
Als unser Sohn vor einem Jahr von einer Rundreise aus dem Iran zurückkehrte, berichtete er von einem hohen freistehenden Berg nordöstlich von Teheran. Recherchen im Internet brachten schnell ein Ergebnis. Damavand, der 12.-höchste freistehende Berg der Erde. Offizielle Höhe 5671m, ein Vulkan.
Klar war: wir haben aus beruflichen Gründen nur 6 Tage mit An- und Abreise. Geht ein kleiner 6000er in knapp 3 Tagen?
Eine bekannte Suchmaschine brachte uns zu “Höhenvorbereitung Göbel.” Von Anfang an entwickelte sich ein sehr netter und fachkundiger Kontakt mit Herrn Göbel. So wurde das Wohnzimmer zum Basislager umfunktioniert und der Trainingsplan für eine reichliche Woche genau eingehalten. Es war schon spannend, die Reaktion des Körpers auf Passiv- und Aktivtraining zu fühlen.
Die Anreise erfolgte über Istanbul und Teheran. Nun weiter mit einem gecharterten Einheimischen zum Camp 1, Polour auf 2200m. Die Nacht im doppelstöckigen Mehrbettzimmer, für 7,- Euro, war ok. Wir hatten ein Zimmer mit 6 Schlafstätten für uns alleine. Eine Fahrgelegenheit für den nächsten Tag war schnell gefunden. Fahrt für 30 Euro im Kleinlaster zum Lager 2 auf 3050 m, erst auf asphaltierter Strecke, dann im Gelände. Durch die Vorbereitung war der Aufstieg zum Lager 3, New Hut auf 4200 m, gut machbar. Im Laufe des Tages füllte sich das Lager.
Die vom Gipfel zurückkehrenden Bergsteiger machten uns nicht gerade Mut. Einige scheitern am Neuschnee auf 5000m, einige auch an Sturm und Höhenkrankheit. Am Gipfel sah es also nicht gut aus, das heißt er war seit unserer Ankunft in dicke Wolken gehüllt. Bergführer geben auf und wir wollen es allein riskieren? Kein beruhigender Gedanke. Sicher ist sicher, wir sind Frühaufsteher und haben uns 3 Uhr als Startzeit vorgenommen. Abends beim letzten Austreten in der neben der Hütte liegenden "Sanitäreinrichtung" ,dann Hoffnung. Sind das Sterne? Sollte der Wetterbericht doch recht behalten? Um 2:30 Uhr war die Nacht vorbei. Während die anderen noch tief schlafen schleichen wir aus der Hütte. Mit zunehmender Höhe wird es sehr steil. Die felsigen Abschnitt bieten kleine Klettereien ohne Schwierigkeit. Schwer sind die losen Geröllabschnitte. Ein Schritt hoch zwei zurück. Das kostet Kraft.
Wir warten auf die Kopfschmerzen und Übelkeit. Wir warten umsonst. Das Höhentraining zu Hause zeigt Wirkung. Dann endlich kommt der Gipfel in Sicht, ca. 300 Höhenmeter über uns. Das motiviert. Nur noch der letzte Hang.
Am Gipfel liegen wir uns in den Armen. Es passt jetzt alles. Ab und zu Wolken, dann sagenhafte Sicht ins Tal und in der Krater. Der Berg spuckt uns heiße Schwefeldämpfe entgegen, Urgewalten aus der Tiefe. Irgendwann gestern am Camp 3 hatten wir eine Idee, die sich jetzt auszahlen sollte. Zwei Foliesäcke haben wir aus der Hütte mitgebracht. Wir fahren die steilen Schneerinnen ab. Zum Glück können wir jeweils am Ende der Rinnen bremsen, indem wir alle verfügbar Körperteile in den Schnee rammen. Die aufsteigenden Gruppen staunen. Das machen nur wenige. Eine Stunde Abstieg haben wir bestimmt gespart. Wir sind etwas durchnässt aber glücklich. Der frühere Aufstieg und der schnell Abstieg beschert uns noch einen erlebnisreichen Tag in Teheran.
Vielen Dank für die Top-Betreuung durch Herrn Göbel.